Integrierter Pflanzenschutz
Zwischen Lebewesen eines Ökosystems bestehen vielfältige Wechselbeziehungen. Die Lebewesen fördern einander (Synergisten) oder hemmen einander (Antagonisten), so dass sich ein biologisches Gleichgewicht einstellt. Bei Übervermehrung einer Kultur werden die Schaderreger vermehrt, die sich von dieser Pflanze ernähren.
- Verschiebung des Gleichgewichts
- Der Mensch muss regulierend eingreifen
- Einsatz von vorwiegend chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln in den 50er Jahren
Nachteile
- Belastung der Umwelt (Boden, Wasser, Luft) mit Pestiziden
- Gefährdung der Gesundheit von Anwender und Verbraucher
- Gefahr der Schädigung anderer Lebewesen
- Pestizidrückstände in der Nahrung
- Resistenzprobleme
- Wartezeiten
- Entsorgung von giftigen Mitteln, Gefahr von Spritzschäden
Der integrierte Pflanzenschutz ist ein tragfähiger Kompromiss zwischen ökonomischen Zwängen und ökologischen Ansprüchen.
Integrierter Pflanzenschutz
Integrierter Pflanzenschutz ist ein Teilgebiet des Integrierten Pflanzenbaus. Dabei werden alle wirtschaftlich, technisch und ökologisch einsetzbaren Verfahren sinnvoll aufeinander abgestimmt eingesetzt, um Schädlinge an Kulturpflanzen unter der Schadensschwelle zu halten und dabei unerwünschte Nebenwirkungen der Maßnahmen zu minimieren. Zunächst werden dabei natürliche Schädlingsbegrenzungsfaktoren ausgenutzt, etwa ausgeklügelte Fruchtfolgen, geeignete Wahl von Pflanzenarten und -Sorten ( zum Beispiel solche, die gegen bestimmte Schädlinge widerstandsfähig sind), Standort ( Klima, Boden), optimaler Zustand des Bodens sowie ggf. Einsatz von Nützlingen ( Biologische Schädlingsbekämpfung). Erst wenn das nicht reicht, kommen chemische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, aber auch nur in der gerade nötigen Menge und zum optimalen Zeitpunkt. Die Anwendung des Integrierten Pflanzenschutzes setzt gute Kenntnisse all der beteiligten Faktoren und intensive Beobachtung der Pflanzen voraus; allgemeine Rezepte sind nicht möglich, weil jede Situation anders ist und eine andere Maßnahmenkombination verlangt. Ein Ziel des Integrieren Pflanzenschutzes ist es gesunde Pflanzen durch optimale Kulturführung zu produzieren, die nicht so anfällig für Schädlinge und Krankheiten sind.
Bekämpfung von Schädlingen durch Nützlinge
Eine Hauptsäule des IPS stellt die Nutzung und Förderung der Mechanismen der biologischen Selbstregulation dar. Zahlreiche natürliche Feinde wirken als natürliche Begrenzungsfaktoren von Schaderregerpopulationen. Sie sorgen dafür, dass sich die meisten Pflanzenschädlinge nicht explosionsartig vermehren können und im Regelfall unter der ökonomischen Schadensschwelle gehalten werden. Der IPS baut auf die Leistungen der Nützlinge und bedient sich aller möglichen Maßnahmen ihrer Schonung und direkten Förderung. Nützlinge sind. aus der Sicht des IPS tierische Organismen, die zur Dezimierung von Schaderregern beitragen. Typische Schädlinge an Chrysanthemen sind zum Beispiel Minierfliegen, Spinnmilben oder Thripse. Zur Bekämpfung eignen sich Amblyseius-Raubmilben (Amblyseius cucumeris) gegen Thripse und Spinnmilben. Die Raubmilben befinden sich in Papiertüten, die ein Stück aufgerissen, und dann im oberen Drittel der Pflanze angebracht werden.
Durch sorgfältige Kontrollen werden anhand der bisherigen Erfahrungswerte sogenannte "wirtschaftliche Schadschwellen" ermittelt, die die Entscheidung erleichtern helfen, ab welcher Befallsdichte sich ein Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln als notwendig erweist. Wenn der Schaden noch gering ist, lohnt es sich eher, überhaupt nichts zu tun und einen geringen Verlust zu tolerieren. Erst wenn der Befall durch Schädlinge, Krankheiten oder Unkräuter einen Ertragsverlust hervorruft, der größer ist als die Kosten für die Bekämpfung., ist die wirtschaftliche Schadensschwelle überschritten und ein Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln lohnend. Da durch den Einsatz von chemischen Mitteln auch Nützlinge geschädigt werden, muss darauf geachtet werden, dass nützlingsschonende Produkte angewendet werden. Dazu gehören alle Mittel die sich schnell abbauen, bedingt z. B. Pirimor und Confidor.
Das Konzept des integrierten Pflanzenschutzes erfordert ein hohes Maß an Fachwissen, Denken in biologischen zusammenhängen und einen ständigen, aktuellen Überblick über den Gesundheitszustand des Kulturpflanzenbestandes.
Hinweis : Bearbeitet von Stefanie Linzer und Heike de Jong, Berufsschul-Referat über den Integrierten Pflanzenschutz Juni 2001, Datum : 15.06.05 .

