Die Thripsbekämpfung


an Topfchrysanthemen (Dentranthema) stellte in dem Betrieb Wissing vor ein paar Jahren ein großes Problem dar . Diverse Spritzfolgen mit Mesurol , Vertimec und anderen Insektiziden waren nötig um die Plagegeister schnell wieder los zu werden und um nicht noch größere Schäden an den Blättern oder den Blüten zu erhalten . Mit Sorge verfolgte man die Weizen- und Maisernte der umliegenden Felder weil mit der Ernte auch immer wieder neue Tiere in die Gewächshäuser getragen wurden . Dazu kam die Frage zu welcher Tageszeit im Hochsommer gespritzt werden sollte . Nach Feierabend gegen Mitternacht weil dann die Häuser abgekühlt waren . Oder früh am Morgen , nur wann sollte dann die Belegschaft noch in den Häusern arbeiten ? Bei der Suche nach Alternativen stießen wir in Zusammenarbeit mit Herrn Klatt vom Pflanzenschutzamt in Münster auf die Raubmilbe Amblyseius cucumeris .

Nach kurzer Zeit entwickelte sich ein Einsatzschema das im folgenden Jahr überarbeitet wurde und heute von uns mit großem Erfolg angewendet wird .



Einsatzschema Amblyseius cucumereis bei Topfchrysanthemen der Gärtnerei Wissing


Im Erprobungsjahr gingen wir noch davon aus, dass der Einsatz nur mit zwei Freilassungen zu bewerkstelligen ist . Siehe auch die Informationen von Herrn Klatt . Im zweiten Jahr wurde durch die Beobachtungen im ersten Jahr bewusst auf die zweite Freilassung verzichtet . Die Tiere werden kurz nach der Bewurzelung der Chrysanthemen in Tüten zu jeweils 500-1000 Tieren an die Pflanzen auf den Topf gestellt .

Zu diesem Zeitpunkt stehen die Pflanzen noch Topf an Topf auf 9 qm großen Tischen ( 100Pfl/qm ). Ausgesetzt werden auf diese Fläche 24 Tüten mit jeweils 500-1000 Tieren . Nach etwa fünf Tagen rücken wir die Chrysanthemen auf 39,5 St/qm . Die vorher aufgebrachten Tüten wandern automatisch während des Rückens über den Rückautomaten mit auf die Tische .

Am Ende verteilen sich die Tüten mit den Nützlingen auf etwa 1 Tüte/qm .

Diese Freilassung reicht in der Regel aus um den Thripsbefall weitgehend einzudämmen .

Regelmäßige Kontrollen der Pflanzen und Blautafeln sind allerdings unerlässlich und minimieren das Risiko eines Pflanzenschadens . Sollten sich dennoch Schäden an den Pflanzen feststellen lassen setzen wir erneut Ablyseius Raubmilben aus, die dann allerdings als Streuware mittels Druckluft in den Bestand geblasen wird . Ein Chemischer Einsatz gegen Thrips war mit diesem beschrieben Verfahren bisher nicht nötig . Durch die ständige regelmäßige Kontrolle fallen auch andere Schädlinge schnell auf . Insbesondere Minierer lassen sich schnell und effektiv durch Dacnusa sibirica ( Schlupfwespe ) bekämpfen . Gegen Läuse benutzen wir nicht mehr das nützlingsschonende Mittel Pirimor, da die Raubmilben nach unseren Beobachtungen geschädigt oder blockiert werden . Hier empfiehlt sich Plenum oder Confidor . Die Mittel werden von den Amblyseius nach unseren Erfahrungen meist gut vertragen . Nach einem Einsatz mit Karbamaten oder Pyretroiden kann der Nützlingseinsatz abgebrochen und als gescheitert angesehen werden .

Datum : 18.04.02



Biologische Thripsbekämpfung beim Anbau blühender Topfpflanzen 1998

Untersuchungsergebnisse aus verschiedenen Betrieben der Region Westfalen - Lippe
Jörg Klatt, IPSAB Münster ( Auszug )



Topfchrysanthemen auf Ebbe/Flut-Mobiltischsystem


Die trotz massivster Insektizidapplikationen unzureichende Thripsbekämpfung der vergangenen Jahre veranlasste einen weiteren Betrieb ( Wissing ) auf die biologische Bekämpfung umzusatteln. Da der Betrieb seine Pflanzen in einem knospigen Stadium verkauft, ging es in erster Linie darum, das Ausmaß der Blattsymptome so gering wie möglich zu halten. Auf 1500 m² Netto-Fläche wurden vom Stecken des ersten Satzes in der 19. Woche bis zum Verkauf des letzten Satzes in der 41. Woche 117000 Topfchrysanthemen verteilt auf 15 Sätze produziert. Mit Ausnahme des 2. und 9. Satzes, die auf Grundbeet mit Bewässerungsmatte standen, wurde die Kultur auf einem Ebbe/Flut - Mobiltischsystem durchgeführt. Die Heiztemperatur war auf 18°C eingestellt. Die ab der 3. Kulturwoche zur Blüteninduktion erforderliche Verdunkelung der Pflanzen ließ zunächst befürchten, dass Nützlinge in ihrer Aktivität eingeschränkt werden. Aufgrund positiver Hinweise aus den Niederlanden entschied man sich für die Bekämpfung mit Amblyseius cucmeris im Tütenverfahren. Die ursprüngliche Planung sah bei jedem Satz vor, eine Woche vor dem Rücken so viele Tüten anzubringen, dass danach eine Belegungsdichte von 1 Tüte / m² realisiert worden wäre. Weitere 4 Wochen später sollten abermals Tüten mit einer Dichte von 0,5 je m² in den Bestand eingebracht werden. Da sich die 2. Tütenausbringung vom Arbeitsablauf im Nachhinein als unpraktisch erwies, wurde ab dem 5. Satz die 2. Freilassung mit Streuware vorgenommen, und zwar je nach Satz in einer Größenordnung von 161 bis 196 Amblyseius cucmeris je m². Das Material wurde pneumatisch in den Bestand eingeblasen. Bei den Sätzen 12, 14 und 15 wurde die 2. Freilassung aufgrund geringer Befallserwartung abgesetzt.

Ergebnisse

Leichte Blattsymptome traten vorrübergehend in den Wochen 24 bis 28 an einzelnen Stellen des Bestandes auf. Diese wurden von gesunden Blättern überwachsen, so dass die betroffenen Pflanzen ohne sichtbaren Schaden vermarktet werden konnten. Als zunächst kritisch stellte sich die Situation beim 13. Satz in der 34. bis 36. Woche dar. Hier waren gleich an dem Neuaustrieb nach dem Stutzen plötzlich Symptome zu erkennen, die sich schnell ausweiteten. Eine Kombination zweier Negativfaktoren konnten als Verursacher ausgemacht werden. Zum einen waren die Stecklinge dieses Satzes offenbar schon mit Befall geliefert worden, zum anderen kam ausgerechnet hier defekte Tütenware zum Einsatz. Letzteres wurde durch eine Qualitätsüberprüfung bestätigt. Raubmilben und Mehlmilben in dem betroffenen Material waren abgestorben. Mit dem Ergebnis dieser Kontrolle konfrontiert, beschaffte der Nützlingslieferant sofort intakte Ersatzware, die nach der Einbringung in den Bestand für einen Befallsstop sorgte. Schließlich konnte auch dieser praktisch ohne Symptome verkauft werden. Blütenuntersuchungen von zurückbehaltenen Pflanzen bestätigten die gute Bekämpfung. Je nach Satz wurden Quoten von bis 0, 3 Thripsen je Blüte ermittelt werden. Blütenschäden wurden nie gesehen. Dagegen wurden zum Teil hohe Anzahlen Raumilben wiedergefunden. Als Nebenschädlinge traten Blattläuse und Minierfliegen (Phytomyza) auf. Gegen erstere wurde Confidor 70 WG gespritzt, und zwar selektiv bei den Sätzen 1 - 2, 4 - 6 und 13 -15. Die Minerfliegen wurden biologisch mit den Schlupfwespen Dacnusa / Diglyphus bekämpft. Zusätzlich wurde mit einem Repellent aus Pflanzenextrakten namens Syzar gespritzt. Der Mehraufwand für den in 1998 praktizierten integrierten Pflanzenschutz beliefen sich auf 1,1 Pfennige je Pflanze. Diese Kosten relativieren sich noch dadurch, dass die gebrauchten Tüten in einen Helianthusbestand weiterverwertet wurden. Die darin befindlichen Raubmilben waren noch so aktiv, dass auch hier keine chemischen Maßnahmen ergriffen werden brauchten, um Thripse zu bekämpfen.



Biologische Thripsbekämpfung beim Anbau blühender Topfpflanzen 1998

Untersuchungsergebnisse aus verschiedenen Betrieben der Region Westfalen - Lippe
Jörg Klatt, IPSAB Münster


Cyclamen auf Rinnenstellfläche


Aufgrund des guten Bekämpfungserfolges des vergangenen Jahres wurden in dem betreffenden Betrieb auch 1998 wieder die Raubmilben Hypoaspis und Amblyseius cucumeris zur Bekämpfung von Blütenthripsen eingesetzt. Die Produktionsmenge umfaßte rund 220.000 F1-Cyclamen, die von der 19. Woche bis zum Jahresende, verteilt auf 7 Sätze, angebaut wurden. Im Hinblick auf die Stellfläche wurde, analog zu 1997, ein streuverlustminimierendes Schema gewählt: 1 Woche nach dem Topfen : 3,0 bis 4,3 Hypoaspis je Pflanze. 1 Woche vor dem ersten Rücken (=5 Wo. nach dem Topfen) :1. A.cucumeris: 2,4 bis 4,5 je Pflanze. 1 Woche vor dem zweiten Rücken (=11 Wo. nach dem Topfen): 2. A.cucumeris:7,3 - 9,5 je Pflanze. Die Dosierungsschwankungen zu den einzelnen Terminen ergaben sich aus der Problematik flexibler Satzgrößen bei starren Liefereinheiten. Betriebsbedingt gab es im Nachhinein geringe Abweichungen. So wurden die Sätze 1 - 3 gleich auf Endabstand gerückt, wodurch bei der 1. Freilassung doch größere Streuverluste hingenommen werden mußten. Bei Teilen des 6. Satzes wurde eine 3. Freilassung erforderlich und beim 7. Satz wurde die 2. Freilassung wegen zu geringer Befallserwartung abgesetzt.

Überwachung

Um auf eventuelle Unwägbarkeiten schnell reagieren zu können, wurde der Bestand mittels blauer Leimtafeln und Blütenauszählungen überwacht. Im Gegensatz zu 1997 wurden nicht mehr 100, sondern nur noch 50 Blüten (10 Stück je festgelegter Sorte) je Satz 14tägig ausgewertet, was für einen realistischen Einblick in den Populationsverlauf völlig ausreichend war.

Ergebnisse

Die guten Bekämpfungsergebnisse des vorangegangenen Jahres wurden von denen des Jahres 1998 noch weit übertroffen. Alle Sätze konnten völlig symptomfrei verkauft werden. Die Blütenauswertungen zum Zeitpunkt der Absatzperioden bestätigten das optische Bild : Mit 0 - 0,04 Thripsen / Blüte wurde zum Teil komplette Befallsfreiheit erzielt. Trotz des überzeugenden Bekämpfungserfolges war die Raubmilbenetablierung in den Cyclamenblüten deutlich schlechter als 1997. Die Spitzenwerte lagen je nach Satz nur bei 0,2 bis 0,4 Amblyseius cucumeris je Blüte und bauten danach sehr schnell auf unter 0,1 ab. Dies ist mit großer Wahrscheinlichkeit der geringeren Temperatursumme in dem entsprechenden Zeitraum zuzuschreiben, denn in anderen Betrieben mit biologischer Bekämpfung war der Amblyseius - Besatz in den Blüten ähnlich niedrig. Dennoch hatte eine Etablierung, wenn auch auf niedrigem Niveau, stattgefunden.Bis zu 14 Wochen nach der letzten Freilassung wurden noch einzelne Raubmilben in den Blüten gefunden. Als zunächst kritisch erwies sich die Situation in dem neuerstellten Gewächshaus des Betriebes, indem ab der Woche 38 ein kleiner Teil des 6. Satzes untergebracht war. Die erste Blautafelauswertung in Woche 40 ergab eine für diesen Termin ungewöhnlich hohe Fangquote (73 Thripsen / BT / 2 Wochen). Auch die parallel dazu durchgeführte Blütenauswertung, signalisierte mit 0,45 Thripsen je Blüte eine mögliche unkontrollierte Thripsausbreitung. Sicherheitshalber erfolgte an diesem Standort eine außerplanmäßige 3. Freilassung mit A. cucumeris in der Woche 41. Diese Zusatzmaßnahme hatte zur Folge, daß der Befall in den Blüten zum Absatzzeitpunkt auf ein an Befallsfreiheit grenzendes Niveau von 0 bis 0,04 Tieren je Blüte abgesenkt wurde. Der Amblyseius-Besatz erreichte in der Woche 44 mit 0,9 Tieren je Blüte den mit Abstand höchsten Wert des Jahres 1998. Gegen Blattläuse wurde bei den Sätzen 2 - 7 in der Woche 33 Confidor 70 WG gespritzt und in der Woche 39 bei den Sätzen 3 - 7 Pirimor Gr. Beim 7. Satz wurde eine Behandlung mit Amistar gegen Botrytis erforderlich. Die reinen Materialkosten für die im Betrieb eingesetzten Nützlinge beliefen sich auf knapp 2 Pfennige je Pflanze.

Cyclamen auf geschlossener Tischfläche

In einem anderen Betrieb wurde die biologische Bekämpfung nur bei einem Satz probeweise praktiziert. Das Konzept des zuvorgenannten Betriebes wurde im wesentlichen übernommen. Da es sich hierbei um Normalcyclamen handelte, von denen zu erwarten war, daß sie ohnehin träger und uneinheitlicher Aufblühen, wurde eine 3. Freilassung mit 8 A. cucumeris/A. barkeri je Pfl. vor dem 3. Rücken fest eingeplant. Die Blautafelkontrolle verdeutlichte, daß der Befallsdruck etwa doppelt so stark war wie in dem Betrieb zuvor. Dementsprechend fiel auch die Blütenauswertung in der Woche 42 (=1 Blüte/Pflanze) aus. Mit 0,9 Thripsen pro Blüte wurde ein vergleichsweiser hoher Besatz festgestellt , während die Raubmilbenquote auf niedrigem Niveau lag. Bis zum Beginn des Verkaufes in der 46. Woche nahm der Thripsbefall jedoch bis auf 0,12 ab und sank danach auf 0. Dabei zeigte sich, daß von der Sortengruppe Vollebregt gefranst eine enorme Anfälligkeit ausging, denn alle anderen Sorten waren schon seit der Woche 44 thripsfrei. Obwohl die Raubmilbenetablierung mit Werten von unter 0,05 eher dürftig war, war der biologische Pflanzenschutz der chemischen Bekämpfung überlegen. Dies verdeutlichten die Auszählungsergebnisse des konventionellen Vergleichssatzes, bei dem ab der Woche 46, trotz 6maligem Insektizideinsatzes, mit 0,8 Thripsen je Blüte sehr hohe Befallsquoten ermittelt wurden. Da keine weiteren Schaderreger auftraten, konnten der Satz pflanzenschutzmittelfrei vermarktet werden.







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