Trauermücken und Torffliegen ein Problem ?
Gelegentlich treten Trauermücken und Torffliegen in Scharen auf .Während die Torffliegen nur lästige Insekten sind, die mit ihren Kotausscheidungen die Blätter der Pflanzen beschmutzen ( bei Jungpflanzen nicht unproblematisch ), sind Trauermücken bzw. Trauermückenlarven für Jungpflanzen oder andere empfindliche Kulturen ein ernstzunehmendes Problem .

Während man die Trauermückenlarven relativ sicher mit den Nematoden Steinernema feltiae bei einer vorbeugenden Anwendung im Griff hat, und auch Veröffentlichungen im Internet reichlich vorhanden sind, findet sich nichts über die Torffliegen oder Black Fly ( genauere Definition der Tiere scheint schwierig weil viele verschiedene Arten in Massen auftreten und diese schlecht zu unterscheiden sind ).
Möglich ist es beide Tierarten mit Bacillus thuringiensis israelensis in den Griff zu bekommen . Der Wirkstoff( Bacillus thuringiensis israelensis ) besitzt aber eine Zulassung für Teiche und Tümpel gegen die Larven von Stech- und Kribbelmücken .
Pflanzenschutz Aktuell: Mai 1998
Versuchsanstalt für Gartenbau an der FH Weihenstephan
Trauermücken
Trauermücken sind eine wichtige Schädlingsgruppe, die im Gartenbau verstärkt Probleme bereitet (siehe Abbildung). Aus diesem Grund soll an dieser Stelle eine ausführliche Darstellung der Thematik präsentiert werden. In Teil 1 im April 1998 wurde bereits der Schädling als solches vorgestellt, im zweiten Teil jetzt im Mai 1998 werden die Bekämpfungsmöglichkeiten näher beleuchtet. Innerhalb der Bekämpfung ist zu unterscheiden in kulturtechnische, biologische und chemische Maßnahmen.
Kulturtechnische Maßnahmen
Das erklärte Ziel lautet hier: Verschlechterung der Lebensbedingungen der Trauermücken. Bei einer Zunahme der Problematik sind jedoch rechtzeitig biologische bzw. chemische Maßnahmen einzuleiten; verständlicherweise sind diese auch vorbeugend bereits im Einsatz.
Mögliche Maßnahmen
- Sorgfältige Lagerung torfhaltiger Substrate (trocken, Überdachung...)
- Gelbtafeln (etwa 4 Tafeln auf 100 m²) in Pflanzenhöhe aufhängen
- Dämpfen/Entseuchen des Substrates kurz vor dem Einsatz
- Desinfektion der Stellflächen
- Algen und Moose im Bereich der Tische und Stellflächen entfernen
- Rasche Abtrocknung des Kultursubstrates und der Stellflächen
- Eine Sandauflage verhindert die Eiablage
Biologische Maßnahmen
Zum Einsatz kommen hier sowohl Nematoden als auch Raubmilben. Die Nematoden können auch bei einem aktuellen Befall eingesetzt werden, die Raubmilben sind überwiegend nur vorbeugend einzusetzen. Noch relativ neu ist der Einsatz von räuberischen Fliegen (Coenosia spp.).
Nematodeneinsatz
- Zum Einsatz kommen Steinernema feltiae (greift i.a. alle Larvenstadien der Trauermücken an, jedoch weniger L1; z.B. Exhibit F 27) sowie S. carpocapsae (greift primär nur L4 an; z.B. Exhibit G 25). Die Eier und Puppen sind nicht anfällig, ein Einsatz richtet sich somit nur gegen die Larven. Als Wirkungsgrade können 90-95 % erreicht werden.
- Das L3-Stadium der Nematoden (Dauerlarven) lebt frei im Boden und dringt durch natürliche Körperöffnungen in die Larve ein. Als Symbiont führt jede Nematodenart ein Bakterium (Xenorhabdus sp.) mit, das nach dem Eindringen in die Larve freigesetzt wird, sich vermehrt und ein Toxin abgibt, von dem die Larve innerhalb von 1-2 Tagen stirbt. Die Nematoden ernähren sich vom verbliebenen Wirtsmaterial und dem Bakterium selbst. Über das L4-Stadium kommt es bei den Nematoden zur Geschlechterausbildung und Eiablage; als L3 (mit dem aufgenommenem Bakterium) verläßt der Nematode seinen Wirt. Der Gesamtlebenszyklus dauert etwa 1-3 Wochen.
- Verschiedene Formulierungen kommen zum Einsatz (in Schaumstoffpolstern, in Tonmineralien, in einem Biopolymer, im Kunststoffnetz, eisgekühlt - die Nematoden liegen hier meist als L3 vor). Als Einsatzmenge werden 250.000 bis 500.000 Nematoden/m2 Behandlungsfläche empfohlen; bei starkem Befall bis zu 1.000.000. Bezogen auf das Volumen kommen 10.000 bis 20.000 Nematoden/l Substrat in Frage bzw. 20 Millionen Nematoden auf einen m³.
- Weitere Hinweise: Die Ausbringung erfolgt mit der Gießkanne oder einer Pflanzenschutzmittelspritze (sauber!); gespritzt werden sollte mit geringem Druck und größeren Düsen; um Absetzungen zu vermindern empfiehlt sich ein ständiges Rühren; die Ausbringung sollte am frühen Morgen oder Abend erfolgen, da die Nematoden UV-empfindlich sind; feuchter, nicht nasser Boden ist erforderlich; Bodentemperatur über 13 °C (maximal 28 °C); abgießen der Pflanzen bei Überkopfapplikation. Separate Gebrauchshinweise des Herstellers immer beachten. Die Nematoden sind gegenüber Fungizidspritzungen relativ unempfindlich. Stark schädigend sind dagegen die Wirkstoffe Aldicarb, Carbofuran, Flubenzimin, Methamidophos, Methomyl und Parathion.

Raubmilbeneinsatz
- Zum Einsatz kommt Hypoaspis miles (natürliches Vorkommen: im Laubwald in vermoderndem Holz, in verwesenden Haferspelzen, in Nestern von Nagetieren und Ameisen; eher selten) oder auch Hypoaspis aculeifer (natürliches Vorkommen: Acker- und Wiesenböden, spärlich in Laub- und Nadelwäldern sowie in Komposterden im Freiland wie unter Glas; häufige Art).
- Die Eiablage erfolgt in die Erde, über drei Nymphenstadien (Farbe: weißlich --> dunkel) zum adulten Tier. Im adulten Stadium etwa um 1 mm lang (deutlich größer als die verschiedenen Amblyseius-Arten), als Kennzeichen besitzen die Tiere eine graubraune Dreieckszeichnung auf dem Rücken.
- Gesamtentwicklungsdauer bei 20 °C 15 Tage, bei 25 °C 10-13 Tage (Aktivitätsbereich von 10 °C-25 °C). Gesamtlebensdauer ohne Nahrung 7 Wochen (keine Abwanderung), sonst deutlich länger (4-6 Monate).
- Nicht auf Trauermückenlarven spezialisiert (Nahrungsspektrum: kleine Bodeninsekten und deren Larven; insbesondere Fliegen- und Mückenlarven, Käferlarven, Nematoden, Milben und Springschwänze); keine Akzeptanz von Trauermückeneiern oder Puppen. Empfohlene Einsatzmengen bei der Bekämpfung von Trauermückenlarven sind 100 Raubmilben/m2 (vorbeugend) bzw. 250 Raubmilben/m2 (kurativ). Lieferung als Streuware (10.000 Stück) in Flaschen.
- Sehr empfindlich (!) gegenüber Pflanzenschutzmitteln.


Einsatz von räuberischen Fliegen
- Die praktische Anwendung von räuberischen Fliegen (Gattung Coenosia) wird erst seit wenigen Jahren propagiert. Die Fliegen selbst erbeuten die adulten Stadien verschiedener Schadinsekten (Weiße Fliege, Minierfliegen und Trauermücken) - aber auch indifferente Arten - sind somit nicht auf Trauermücken spezialisiert. Auch die Larven der räuberischen Fliegen ernähren sich im Boden räuberisch, u.a. von Trauermückenlarven.
- Im Verhalten sind die Tiere typische Ansitzjäger, d.h. sie warten bis die entsprechenden Beutetiere vorbeifliegen, fliegen diesen sofort hinterher und ergreifen sie mit ihren sechs Beinen. Auch werden kurze Schwirrflüge zum Aufscheuchen der Beute durchgeführt. Mit Hilfe eines Dolches am Rüssel wird das gefangene Tier abgetötet und später, zurück am Ausgangsort, ausgesaugt. Somit können sich durchaus am jeweiligen Lande- und Startplatz der Tiere stattliche Beutetierreste wiederfinden.
- Mehrere Coenosia-Arten sind beschrieben, die grundsätzlich für einen Einsatz im Gewächshaus verwendet werden können. Die Tiere unterscheiden sich u.a. in Größe, Lebenserwartung und Verhalten. Zum Einsatz kommt überwiegend Coenosia attentuata. Vertrieben werden die Tiere von allen größeren Nützlingsanbietern; die Lieferung erfolgt als Puppe in Torf. Erstmalig für die Praxis angeboten wurden die Tiere 1996 von PK-Nützlingszuchten.
- Die bisherigen Erkenntnisse aus der Praxis zeigen, daß ein sinnvoller Einsatz nur bei einem leichten Befall (z.B. mit Trauermücken oder Weißer Fliege) vorliegt. Einen zu starken Befall können die Fliegen nicht kontrollieren und bei einem zu geringen Beuteangebot ist eine alleinige Aufrechterhaltung der Population nicht möglich, d.h. die Tiere müßten ständig neu ausgebracht werden.
Folgende Pflanzenschutz-Links halten wir für erwähnenswert
- Insektenparasitäre Nematoden sind im gartenbaulichen Einsatz mittlerweile weit verbreitet (Larvenbekämpfung von Trauermücken und Dickmaulrüßler). Entscheidend in diesem System sind hingegen die hier mit übertragenen Bakterien. Zu diesem Nematoden-Bakterien-Verhältnis finden sich hier detaillierte Informationen.
- Niveauvolle und informative Vorlesungen zum Thema Pflanzenschutz (Diagnose, Kryptogamenkunde, Epidemiologie) finden sich im Virtuellen Phytopathologie-Klassenzimmer der ETH Zürich in der Schweiz.
Quelle : Institut für Botanik und Pflanzenschutz, Am Hofgarten 8, 85350 Freising, Tel.: 08161/71-3362 Fax.: -4207, email: botanik@fh-weihenstephan.de

